Öffentliche Wohnzimmer – Begegnungsorte für Jung und Alt

In Deutschland werden alle fünf Jahre Daten zum freiwilligen Engagement erhoben. Die letzte Erhebung fand 2024 statt, die Auswertung der Ergebnisse dauert jedoch noch an. Deshalb können hier kurz nur ein paar Zahlen aus dem Freiwilligensurvey 2019 vorgestellt werden:

In Deutschland engagieren sich fast 29 Millionen Menschen freiwillig, das sind fast 40 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren. Auch wenn wir in den Vereinen immer das Gefühl haben, dass sich immer weniger Menschen beteiligen, ist das zahlenmäßig nicht richtig. Allerdings haben sich die Formen des Engagements verändert. Der Trend geht eher zur Kurzfristigkeit und punktuellen Hilfen als zur langfristigen Übernahme insbesondere von Vorstandsämtern. Trotzdem sind Vereine und Verbände immer noch mit Abstand die Organisationen, in denen sich die meisten Menschen engagieren. Bundesweit schätzt man die Zahl der Vereine auf fast 616.000, dazu gibt es ca. 25.000 Stiftungen und 16.500 andere Organisationsarten im gemeinwohlorientierten Sektor.

Die meisten Freiwilligen sind in Sportvereinen tätig, nach dem Ende der Pandemie haben die Vereine, die zuvor viele Mitglieder verloren hatten, diese wieder zurückgewonnen. Manche verzeichnen sogar so viele Mitglieder wie noch nie zuvor. 

Typische andere Engagementfelder haben wir auf dieser Übersicht zusammengefasst: 

– Rettungswesen, Zivil- und Katastrophenschutz,
– Kirchen und Kirchengemeinden,
– Tier- und Umweltschutzorganisationen,
– soziale Organisationen, vor allem in der Kinder- und Jugendhilfe sowie der Alten- und Behindertenhilfe.

Sich zu engagieren kann aber auch heißen, sich als Bürger an organisatorischen oder politischen Prozessen zu beteiligen, Petitionen zu unterzeichnen oder an Arbeitsgruppen für das nächste Stadtteilfest teilzunehmen. Natürlich gehört die Arbeit in politischen Gremien, wie den Ausschüssen oder dem Stadtrat auch dazu.

Ein weiterer großer Bereich ist die gesundheitsbezogene Selbsthilfe. Hierzu gehören alle selbstorganisierten Selbsthilfegruppen rund um die verschiedenen Süchte oder andere Krankheitsbilder. Typische Beispiele sind die Anonymen Alkoholiker oder Diabetesgruppen.

Wenn Menschen gemeinsam anpacken, um die eigene Lebenssituation im Stadtteil für sich, seine Kinder und seine Nachbarn zu verbessern, dann spricht man von Sozialer Selbsthilfe. Denn es geht darum, sich gegenseitig zu motivieren, die eigene kleine Welt zu einem besseren Ort zu machen. Dieser Bereich der Selbsthilfe wird gerne vergessen und wird – anders als die gesundheitsbezogene Selbsthilfe – nicht von den Krankenkassen gefördert.

Einen eigenen kleinen Bereich in der sozialen Selbsthilfe nimmt die so genannte Familienselbsthilfe ein. Hierzu gehören zum Beispiel die Mütterzentren und Mehrgenerationenhäuser, die wir später noch genauer vorstellen werden.